Aktuelles

Eine Decke voller Erinnerungen - Ergotherapie bei Demenz


Ein Reißverschluss, eine kleine Tasche, ein Hemdsärmel und ein Knopf – die neuen Patchwork-Decken des Unikats sind kunterbunt und mit vielen Details ausgestattet. Was wie ein besonders ausgefallenes Accessoire aussieht, hat einen therapeutischen Hintergrund: Die sogenannten Nesteldecken sind ein effektives Mittel zur ergänzenden Therapie von Demenzkranken. In sein Sortiment aufgenommen hat das Unikat die Decken in Zusammenarbeit mit der Praxis für Ergotherapie.

„In den Demenzdecken werden Stoffe, Farben und Muster oder auch kleine Gegenstände verarbeitet, wie sie die Betroffenen von früher kennen“, erläutert Ergotherapeutin Bettina Bußmann das Konzept. „Das Befühlen der verschiedenen Materialien und Gespräche darüber können Erinnerungen anstoßen.“ Zudem würden viele an Demenz erkrankte Menschen ab einem bestimmten Stadium beginnen, mit ihren Händen an Gegenständen oder ihrer Kleidung zu nesteln. „Die Decke füllt diese sinnentleerte Handlung mit gezielten taktilen Anreizen, die auch die eigene Körperwahrnehmung verbessern können.“

Steigender Bedarf nach Hilfsangeboten

Seit 2015 unterstützt Bettina Bußmann das Team der Ergotherapie. Davor war die 54-Jährige 20 Jahre lang als Ergotherapeutin in Altenheimen tätig. Im vergangenen Jahr hat sie zudem eine 3-teilige Fortbildung für Ergotherapie bei Demenz gemacht - ein Fachgebiet mit wachsender Bedeutung. Auch in Lengerich sei aufgrund der älter werdenden Gesellschaft der Bedarf nach Hilfsangeboten spürbar gestiegen, so Vorstandsvorsitzender Klaus Hahn. Dieser Entwicklung, die in den nächsten Jahren noch zunehmen werde, wolle der Reha-Verein mit seinen speziellen Angeboten in der Praxis für Ergotherapie Rechnung tragen.

Angehörige in Therapie einbeziehen

Zwar lässt sich Demenz nicht heilen, doch ihr Fortschreiten hinauszögern. Ziel der Ergotherapie ist es dabei, die Selbständigkeit möglichst lange zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Bettina Bußmann therapiert nicht nur in den Räumlichkeiten an der Münsterstraße, sondern auch in Altenheimen und immer häufiger auch bei Hausbesuchen. Da die Demenz auch die Angehörigen der Betroffenen in hohem Maße herausfordere, sei die Therapie in den eigenen vier Wänden für alle Beteiligten ein Gewinn, so Bettina Bußmann. „Hier können wir direkt vor Ort die an Demenz erkrankten Menschen in ihrer Lebensführung unterstützen und gleichzeitig die Angehörigen mit ihren Bedürfnissen einbeziehen.“ Dabei arbeitet sie nach dem betätigungsorientierten Interventionsprogramm „Häusliche Ergotherapie bei Demenz“, kurz HED-I, das auf Basis amerikanischer und niederländischer Studien entwickelt wurde.

Möglichst lange selbstständig leben

„Die Fortbildungsangebote nach HED-I sind noch recht neu und es ist für uns ein echter Gewinn, dass Bettina Bußmann diesen innovativen Ansatz in unsere Praxis gebracht hat“, freut sich Milena Onken, Leiterin der Ergotherapie. „Für Menschen mit Demenz ist es besonders wichtig, möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld zu bleiben. Veränderungen der Lebensbedingungen führen nachweislich zu einer Verschlechterung der Symptome.“ Die Nesteldecken sind nur ein Bestandteil innerhalb der vielen unterschiedlichen Möglichkeiten bei der Ergotherapie für Demenzerkrankte, der jedoch auch gut von den Angehörigen eingesetzt werden kann. Sie wissen oftmals am besten, welche Erinnerungen und Gefühle die Erkrankten mit bestimmten Gegenständen oder Stoffen verbinden. Deshalb ist es auch möglich, im Unikat eine ganz individuelle Decke mit eigenen Materialien anfertigen zu lassen – ein Stück persönliche Zeitgeschichte festgehalten in Stoff.

 


Neuigkeiten Archiv

Seite 1 von 19   »

Sep 18, 2017
Ein Reißverschluss, eine kleine Tasche, ein Hemdsärmel und ein Knopf – die neuen Patchwork-Decken des Unikats sind kunterbunt und mit vielen Details ausgestattet. Was wie ein besonders ausgefallenes Accessoire aussieht, hat einen therapeutischen Hintergrund: Die sogenannten Nesteldecken sind ein effektives Mittel zur ergänzenden Therapie von Demenzkranken. In sein Sortiment aufgenommen hat das Unikat die Decken in Zusammenarbeit mit der Praxis für Ergotherapie.
Sep 8, 2017

Auch bei Schietwetter - gute Stimmung bei Juist-Reise

Raus aus dem Alltagstrott und mal etwas ganz Anderes sehen: Für die elf Besucherinnen und Besucher der Tagesstätte „Die Villa“ hat das bei der fünftätigen Juist-Reise ganz wunderbar funktioniert. 

Jun 16, 2017

Der erste Urlaub des Lebens - mit dem Reha-Verein auf Kos

Eine Woche auf der griechischen Insel Kos - für Manfred war es die erste richtige Reise seines Lebens. Bislang hatte Urlaub darin keine Rolle gespielt. Wegen seiner psychischen Erkrankung waren bei ihm weder genügend Geld noch wirkliches Interesse an solchen Unternehmungen vorhanden. Aber seit der 52-Jährige sozialpsychiatrisch in der Tagesstätte „Die Villa“ betreut wird, hat sich einiges geändert. Und nun der erste Urlaub. Bereits zum 10. Mal haben Jörg Achterberg und Bärbel Brengelmann-Teepe eine Urlaubsreise ins Ausland auf die Beine gestellt und betreut. In diesem Jahr ging es für eine Woche nach Kos. „Es war einmalig“ schwärmt Manfred. „Das Hotel lag direkt am Meer und hatte einen Innenhof mit megageilen Palmen.“ Aber genauso überzeugend fand er das sehr abwechslungsreiche Programm.

Apr 22, 2017
Über die psychosoziale Versorgung in Lengerich und Umgebung informierten sich jetzt Politiker von Bündis 90/Die Grünen bei einem Besuch des Reha-Vereins.